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Selbstverpflichtung von Verlegern und Papierindustrie:

Bis zum Jahr 2000 sollen 60 Prozent des grafischen Altpapiers wiederverwertet werden

Studie zu verschiedenen Sammelsystemen – Modellversuche geplant

Im Herbst 1992 drohte der damalige Bundesumweltminister Töpfer mit dem Entwurf einer Altpapierverordnung. Einziger Ausweg für Verleger, Papier- und Druckindustrie: Als Alternative zur "Regulierung von oben" wird die vom Umweltminister geforderte Steigerung der Verwertungsquoten im Rahmen einer freiwilligen Selbstverpflichtung zugesagt. Außerdem sollen Sammelversuche zeigen, wie grafisches Papier (Zeitungen, Zeitschriften, Kataloge, Prospekte, Büro- und Administrationspapiere) in besserer Qualität und möglichst kostengünstigerals bisher erfasst und verwertet werden können.

Die Arbeitsgemeinschaft Grafische Papiere (AGRAPA) verpflichtete sich deshalb im Herbst 1994 gegenüber dem Umweltminister, durch eine Reihe von Maßnahmen die Wiederverwertung grafischer Papiere bis zum Jahr 2000 in vier Stufen von 53 Prozent auf 60 Prozent zu steigern (bezogen auf den Gesamtverbrauch an grafischen Papieren).

Verleger und Druckindustrie verpflichteten sich, zunehmend altpapierhaltige Papiere einzusetzen. Außerdem soll schon bei der Herstellung von Papier und Papierprodukten darauf geachtet werden, recyclingfreundliche Materialien und Hilfsstoffe zu verwenden.

Verpackungsverordnung und DSD haben gewachsene Sammelstrukturen verändert

Mit der Verpackungsverordnung und dem von der Wirtschaft daraufhin eingerichteten "Dualen System" (DSD) haben sich die vorher praktizierten Sammel- und Erfassungssysteme erheblich verändert. Die Bundesländer forderten, daß über die DSD-Vertragspartner nicht nur Verkaufsverpackungen aus Papier, Pappe und Karton entsorgt werden, sondern auch die in den Haushalten anfallenden grafischen Papiere: vor allem Zeitungen, Zeitschriften und Kataloge.

Eine Erhebung der "Ingenieurgemeinschaft für Technischen Umweltschutz" (INTECUS), Dresden, im Auftag der AGRAPA vom Frühjahr 1994 ergab, dass lediglich in 33 von 543 befragten Städten und Landkreisen grafische Altpapiere getrennt von Verpackungspapieren erfasst werden. Etwa 5 Millionen von ca. 63,2 Millionen im Rahmen der Studie erfassten Einwohnern können so grafisches Altpapier und Verpackungsmaterial trennen.

Theoretisch fallen nach einer Schätzung der Papiertechnischen Stiftung (PTS), München, pro Einwohner und Jahr 83 Kilogramm Altpapier an. Nach einer vorläufigen Auswertung von 185 Landkreisen im Rahmen der INTECUS-Studie erfassen Monotonne und Papiersack ("Holsystem") mit durchschnittlich 53 Kilogramm pro Einwohner und Jahr deutlich mehr Altpapier als die Bündelsammlung (43 Kilogramm). Die Wertstoffhöfe erbrachten 45 Kilogramm, die am weitesten verbreitete Containersammlung 32 Kilogramm.

Über den Grad an Verunreinigungen in Abhängigkeit vom Sammelsystem gibt es unterschiedliche Aussagen. Sicher ist: Bündelsammlungen und Depotcontainer erbringen das sauberste Altpapier (0 bis 4 Prozent Verunreinigungen).

Je eher grafische Altpapiere schon dort, wo sie anfallen (z. B. im Haushalt) getrennt von Verpackungen und Karton erfasst werden, um so besser ist die Verwertbarkeit, und um so leichter können die in der Selbstverpflichtung garantierten Quoten erreicht werden.

Modellversuche in fünf Städten und Landkreisen

Um die Erfassung optimieren zu können, organisiert die AGRAPA fünf Modellversuche. In Abstimmungen mit den kommunalen Spitzenverbänden soll je Versuch ein Jahr lang untersucht werden, wie durch effiziente, sortenreine Sammlung ein Markt für den Rohstoff Altpapier geschaffen werden kann, der auch die Kosten der Sammlung trägt und so die Kasse von Städten und Gemeinden entlastet.

Drei Versuche haben inzwischen begonnen: in Dresden (im März 1995 begonnen), in Neuss (offizieller Beginn Anfang September) und im Landkreis Stormarn in Schleswig-Holstein (Versuch läuft seit Juli); in München sollen die Versuche Ende des Jahres beginnen. Die letzte der fünf Versuchsreihen startet voraussichtlich in Strausberg östlich von Berlin.

In Dresden wird das Altpapier wie schon bisher ausschließlich über Container getrennt nach Papier und Pappe gesammelt, in Neuss wird die bestehende gemischte Containersammlung auf die getrennte Sammlung umgestellt. Im Landkreis Stormarn werden Bündel gesammelt, in München die Monotonne untersucht. In Strausberg soll das in der ehemaligen DDR bewährte Sero-System mit Vergütung wiederbelebt werden. Für alle Gebiete sollen statistische Daten unter anderem über Siedlungs- und Sozialstruktur und Gebühren ausgewertet werden. Die Bürger sollen umfassend über das jeweilige Sammelsystem informiert werden.

Menge, Zusammensetzung, Qualität und Reinheit des gesammelten Altpapiers sollen laufend untersucht werden. Daneben soll auch die Menge des insgesamt anfallenden Hausmülls und der über das DSD entsorgten Verpackungsabfälle ermittelt werden. Eine Frage bei der Auswertung lautet: Wie ist die Korrelation zu den aufgewendeten Kosten , aber auch zu Infrastruktur und Sozialstruktur? Welche Erfassungsquoten werden mit welchem Aufwand erreicht?

Die fünf Projektabschnitte

  • Optimierung vorhandener Depotcontainer
  • Umstellung von Depotcontainern auf getrennte Erfassung
  • Optimierung einer vorhandenen Bündelsammlung
  • Optimierung vorhandener Wertstoffhöfe
  • Einführung/Umnutzung der Monotonne

sollen zeitlich versetzt begonnen werden und in etwa zwei Jahren abgeschlossen sein.

Die Modelluntersuchungen sollen nachweisen, daß die getrennte Erfassung von grafischen Altpapieren eine Reihe von Vorteilen besitzt: Sammel- und Sortierkosten sollen reduziert und damit die Verbraucher entlastet werden, gleichzeitig soll die Qualität des gesammelten Altpapiers gesteigert werden. Die Papierindustrie erwartet eine hohe Akzeptanz der getrennten Sammlung bei der Bevölkerung und nicht zuletzt eine gesicherte Versorgung mit höherwertigem Rohstoff.

In der AGRAPA sind vertreten:

  • Verband Deutscher Papierfabriken (vdp) / Gesellschaft für Papierrecycling mbH (GesPaRec)
  • Verein der Deutschen Papierimporteure (VDPI) / P.R.INT. GmbH
  • Bundesverband des Deutschen Papiergroßhandels
  • Bundesverband Druck
  • Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV)
  • Bundesverband Deutscher Anzeigenblätter (BVDA)
  • Verband Deutscher Zeitschriftenverleger
  • Bundesverband Deutscher Buch-, Zeitungs- und Zeitschriften-Grossisten (Presse-Grosso)
  • Bundesverband des Deutschen Versandhandels
  • Börsenverein des Deutschen Buchhandels

Bei Fragen helfen wir Ihnen gerne weiter.


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Letzte Änderung: 05.02.2007