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Wertstofftonne in den Kreisen Ludwigsburg, Karlsruhe und Rhein-Neckar:

Schmutzige Papierfraktion aus der gemischten Tonne – für manche Produkte unbrauchbar

Baden-württembergische Papierindustrie kritisiert System der DSD-Altpapiererfassung

"Flach" und "rund" sind die Sortierkriterien für Bürger im Landkreis Ludwigsburg: In ein- und derselben Wertstofftonne werden abwechselndzwei gemischte Fraktionen eingesammelt. Eine Woche ist "flach" dran: Papier, Kartonagen, Kunststoffolien und Styropor sollen in die Tonne, in der Woche darauf die "rund"-Fraktion mit Glas, Konservendosen, Plastikflaschen und -becher, Milch- und Safttüten sowie alle anderen Verpackungsmaterialien.

Das Resultat einer gemischten Sammlung von Wertstoffen in einer Tonne sieht für den Bürger zunächst attraktiv aus: Eine kleine Restmülltonne und eine große Wertstofftonne erwecken den Eindruck, als sei hier das Ei des Kolumbus in Sachen Mülltrennung gefunden. Doch was anschließend in "speziellen Sortieranlagen" zu "vermarktungsfähigen Sekundärrohstoffen aussortiert" wird (Informationsblatt), hat die baden-württembergische Papierindustrie auf den Plan gerufen. Die Papierfraktion ist verschmutzt, lautet die Klage: für bestimmte Produkte überhaupt nicht verwertbar und nur eingeschränkt lagerfähig. Selbst eine noch so gute Sortierung kann nicht verhindern, daß Glassplitter im Papier hängenbleiben – darunter leiden die Maschinen in der Papierfabrik.

Lebensmittelreste wie Ketchup oder Öl aus Sardinendosen verschmutzen das Papier nachhaltig, auch solche Verschmutzungen werden beim Sortieren nicht erfaßt. Um solches Altpapier vor Ungeziefer und Schimmelbefall zu schützen, müssen vermehrt Biozide eingesetzt werden. Einige Abnehmer der Papierfabriken verbieten auch Altpapier aus Mischtonnen – hier müssen die Unternehmen oft auch entsprechende Garantieerklärungen gegenüber ihren Kunden abgeben.

Was im Haushalt und im Sortierbetrieb nicht getrennt wird, muß in der Papierfabrik nachsortiert werden. Mehr Dreck im Papier bedeutet auch mehr Reststoffe, die bei der Papierherstellung übrig bleiben und entsorgt werden müssen. Damit steigen die Kosten. Auch das Abwasser wird durch Lebensmittelreste zusätzlich mit organischen Stoffen belastet.

Ein Ärgernis für eine Papierfabrik, die helles Papier herstellen möchte, sind Kartons: In der Mischtonne finden sich oft kleingerissene Verpackungen, die auch die Sortieranlage passieren. Einige Papierfabriken müssen gleich reihenweise Lkws mit verschmutzter Ware zurückschicken. Denn die Folgen sind fatal: Ob braune Melierfasern im hellen Papier stören oder wegen zu vieler Schmutzpunkte eine ganze Charge in den Ausschuss geht – schnell sind einige 100.000 Mark Schaden erreicht.

Besonders deutlich registriert Steinbeis Temming Papier in Gemmrigheim im Landkreis Ludwigsburg die Unterschiede: Der Rohstoff wird aus bis zu 100 Kilometern Entfernung antransportiert. Der heimische Landkreis Ludwigsburg liefert über die Wertstofftonne erst nach erheblichem Sortieraufwand eine vergleichbare Altpapierqualität wie der benachbarte Kreis Heilbronn, wo Altpapier mit einem Bringsystem und Wertstoffhöfengesammelt wird.

Das Unternehmen verarbeitet pro Jahr 50.000 Tonnen Deinkingware – jeden Tag 150 Tonnen oder sieben Lastzüge voller Altpapier zu Kopier-, Schreib- und Druckpapier. Davon müssen 11 Prozent als fester Abfall entsorgt werden, etwa 9 Prozent sind Feuchtigkeit, die bei der Produktion unter dem Strich entzogen wird, 80 Prozent des Gewichts an eingesetztem Altpapier verlassen als neues Papier das Werk.

Bei Fragen helfen wir Ihnen gerne weiter.


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Letzte Änderung: 05.02.2007