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Altpapiereingangskontrolle für grafisches Altpapier

Seit der Einführung des "Dualen Systems" zur Wertstofferfassung steigt zwar die Menge des erfassten Altpapiers, doch die Qualität wird immer schlechter. Gesammeltes Altpapier muss vom Altpapierhandel sortiert werden (®Altpapiersortierung), denn es gibt kaum einen Container, kaum eine Tonne und kaum einen Sack, in den der Bürger wirklich nur das steckt, was auch hinein soll: Manchmal wird hier bequem und billig selbst Bauschutt entsorgt.

Das erfasste und sortierte Altpapier kann mehrere Wege gehen – es kann beispielsweise zu Hygienepapieren, zu Karton oder zu grafischem Papier (Zeitungsdruckpapier und höherwertige Papiere) verarbeitet werden. Für die Herstellung grafischen Papiers müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein: Da sich braune Fasern beim Recycling nicht in weiße Fasern verwandeln lassen, müssen die für diese Verwendung ungeeigneten Kartons beim Sortieren so gut wie möglich abgetrennt werden. Dies ist nicht ganz einfach – viele Bürger zerlegen mit viel Mühe große Kartons in kleine Stücke, die dann im Sortierbetrieb am Fließband von Hand wieder herausgesucht werden müssen, ebenso wie Getränkekartons, kleine Pappverpackungen oder Kunststoffe.

Für sortiertes Altpapier gibt es Sortenbezeichnungen. Die Sortenliste dient als Verhandlungsbasis zwischen den Altpapieranbietern und den Papierfabriken, je nach Qualität und Sortenreinheit werden höchst unterschiedliche Preise verlangt. Unerwünscht in jedem Altpapier sind sowohl unerwünschte Papiere und Pappen (Tapeten und nassfestes Papier wie etwa Aktien) wie auch papierfremde Bestandteile (Metall, Kunststoff). Altpapier ist prinzipiell frei von unerwünschten Stoffen zu liefern, für einzelne Sorten wird je nach Vereinbarung ein bestimmter Anteil toleriert.

Bei der ®Deinkingware ist von vornherein der Anteil von Karton, Wellpappe und durchgefärbten Papieren begrenzt – diese Materialien sind für die Herstellung grafischen Papiers ungeeignet. Als Rohstoff für Zeitungsdruckpapier und höherwertige grafische Papiere dient vor allem die Sorte "1.11" (Deinkingware, früher D39). Darunter versteht man nach der Übereinkunft: "Sortiertes grafisches Altpapier aus haushaltsnaher Erfassung, Zeitungs- und Zeitschriftenanteil jeweils mindestens 40 Prozent. Papierfremde Bestandteile sowie für das Deinking ungeeignete Papiere und Pappen insgesamt maximal ein Prozent."

Doch immer öfter enthält das sortierte Altpapier, das in der Papierfabrik ankommt, zuviel Karton oder zu viele Verunreinigungen. Die Papierfabriken haben zunehmend Probleme damit, aus diesem Altpapier ein Produkt mit gleichbleibender Qualität herzustellen. Dazu müssen die Papierfabriken die Entsorgungskosten für Materialien tragen, die eigentlich gar nicht bei ihnen ankommen sollten.

Wo 1.11 draufsteht, soll auch 1.11 drin sein

Innerhalb der INGEDE haben sich die Papierhersteller nun auf eine einheitliche Eingangskontrolle von Altpapier verständigt, um zu verhindern, dass unterschiedliche Maßstäbe an die Qualität der Deinkingware gelegt werden. Schließlich basiert auf der Spezifikation des jeweiligen Altpapiers auch der Preis – und niemand bezahlt gerne für ein Produkt, das innen nicht so aussieht, wie es das Etikett außen verspricht.

Im Auftrag der INGEDE wurde vom Institut für Papierfabrikation (heute "Fachgebiet Papierfabrikation und Mechanische Verfahrenstechnik") der TU Darmstadt zusammen mit Vertretern aller Mitgliedsunternehmen ein praxisgerechtes Verfahren zur Überprüfung der Qualität einer Altpapierlieferung entwickelt, das zur Zeit in verschiedenen Unternehmen erprobt wird:

Die INGEDE-Methode zur
Eingangskontrolle von Altpapierlieferungen der Sorte Deinkingware (1.11)
in loser Lieferform

Durch eine schnelle Wareneingangskontrolle soll überprüft werden, ob die Altpapierlieferung den Qualitätsspezifikationen entspricht. Das Kontrollpersonal muss dazu lernen, rasch die Anteile der einzelnen Bestandteile abzuschätzen. Dazu werden die Beurteilungen immer wieder kalibriert: Aus der Altpapierlieferung wird eine Probe genommen, deren Menge nicht unter 30 Kilogramm liegen soll. Beispielsweise wird mit dem Radlader eine große Schaufel Altpapier in einen geeigneten Probenbehälter entleert, dieser anschließend gewogen. Der Inhalt wird sortiert, die Fraktionen werden gewogen. Die so gewonnene Zusammensetzung wird mit den Werten verglichen, die der Kontrolleur zuvor durch die optische Kontrolle ermittelt hat – auf einer mindestens 30 Quadratmeter großen und blendfrei beleuchteten Fläche. Dieser Prozess wird regelmäßig wiederholt. Auf diese Weise wird das Kontrollpersonal geschult und die Belastbarkeit der optisch ermittelten Beurteilung sichergestellt.

Die eigentliche Eingangskontrolle läuft so ab: Beurteilt wird nicht im Liefercontainer, es sei denn, eine Lieferung ist ganz offensichtlich abzulehnen. Schon beim Abladen achtet der Kontrolleur auf den Lieferzustand – auf auffällige Geräusche, Staubentwicklung und Fließverhalten. Papierfremde Stoffe verursachen oft typische Geräusche, so dass schon jetzt Anzeichen für unsaubere Container oder größere Mengen unerwünschter Bestandteile entdeckt werden können. Fließverhalten und Staubentwicklung können Aufschluss über Feuchte und Lagerzeiten vor der Auslieferung liefern.

Die abgeladene Lieferung wird dann von mehreren Seiten in Augenschein genommen. Treten hierbei für Papier untypische Gerüche auf, wie von Lösungsmitteln, Lacken, Mineralölen, aber auch von Schimmel oder Verrottung? Ist das Altpapier auffällig feucht oder auffällig alt (vergilbt)? Wenn ja, dann wird an 20 Stellen eine Probe genommen und die Feuchte exakt bestimmt. Ebenfalls an 20 verschiedenen, über die gesamte Lieferung verteilten Stellen wird das Alter ermittelt, indem der Kontrolleur jeweils eine Zeitung mit erkennbarem Erscheinungsdatum entnimmt. Aus dem Alter der einzelnen Zeitungen wird ein Mittelwert in Monaten gebildet.

Link zum BewertungsbogenDann werden zunächst die unerwünschten Materialien (Karton, durchgefärbte Papiere, Kunststoff, Lebensmittelverpackungen, Tapeten etc.) ermittelt. Anschließend werden die erwünschten Papiere (ohne Zeitungen und Illustrierte) und der Anteil an Zeitungen und Illustrierten sorgfältig beurteilt. Dazu werden die einzelnen Komponenten auf der Beobachtungsfläche gezählt oder geschätzt und mit einem zuvor ermittelten Gewichtungsfaktor multipliziert. Bei Zeitungen und Illustrierten wird außerdem das Verhältnis (beispielsweise 60:40) geschätzt. Die Ergebnisse werden in einem detaillierten Bewertungsbogen festgehalten, wobei die Einzelfraktionen zusammen 100 Prozent ergeben müssen.

Eine detaillierte Beschreibung der Altpapiereingangskontrolle ist als INGEDE-Methode festgelegt. Diese Beschreibung erhält auch eine genaue Anleitung, wie die Belastbarkeit der Methode durch eine ständige Kalibrierung des Kontrollvorgangs sichergestellt wird.

Die INGEDE-Methode kann bei der INGEDE bezogen werden.


Quelle Sortenliste:

"Altpapier". Liste der Deutschen Standardsorten und ihre Qualitäten. Herausgegeben vom Bundesverband der Deutschen Entsorgungswirtschaft e.V. (BDE), dem Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V. (bvse) und dem Verband Deutscher Papierfabriken (VDP)


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