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Papierrecycling

Die Verwertung von Altpapier ist keine neue Erfindung. Schon im 13. Jahrhundert ist vom Wiedereinsatz gebrauchter Papiere die Rede. Justus Claproth erfand 1774 das ®Deinking. Verändert haben sich über die Jahrhunderte hinweg nicht nur die technischen Bedingungen, sondern auch die Motive des Recycling. Anfangs suchte man noch nach geeigneten Rohmaterialien zur Herstellung von Beschreibstoffen, später wurde der Einsatz des Altpapiers mehr und mehr von wirtschaftlichen Erwägungen beeinflusst. Besonders in holzarmen Ländern konnten so der Holzverbrauch gesenkt und Wald erhalten werden.

Heute sind die wirtschaftlichen Vorteile weitgehend ausgereizt. Die Steigerung des ®Altpapiereinsatzes in den Industrieländern wird mehr und mehr durch Entsorgungsprobleme bestimmt. Der Anteil von Altpapier vor allem im Hausmüll muss drastisch gesenkt werden. Seit 1993 erlaubt der Gesetzgeber lediglich 5 Prozent organischen Anteil in dem Abfall, der auf Deponien entsorgt wird. Die Hersteller und Vertreiber von Produkten werden verpflichtet, schon bei der Produktgestaltung die Entsorgung einzubeziehen.

Die Papierindustrie muss dafür sorgen, dass ihre Produkte nach Gebrauch erfasst und stofflich verwertet werden. Der Altpapiereinsatz läßt sich aus qualitativen Gründen jedoch nicht beliebig steigern (®Altpapiereinsatz). ®Altpapier-Einsatzquoten über 65 Prozent sind mit der derzeitigen deutschen Produktionsstruktur nur mit Qualitätseinbußen zu erkaufen.

Andere Möglichkeiten der stofflichen Verwertung von Altpapier sind unbedeutend. In den vergangenen Jahren wurde weniger als ein Prozent der erfassten Altpapiermenge außerhalb der Papierindustrie stofflich verwertet. Einsatzgebiete für geringe Mengen ergeben sich in der Baustoffindustrie als Dämmaterial, bei der Faserplattenproduktion, bei der Biokompostierung oder als Verpackungsfüll- und Polstermaterial.

Die Nutzung als Brennstoff ist eine weitere Verwertungsmöglichkeit, die das Altpapieraufkommen wesentlich entlasten würde. Dank seines Heizwertes ist stofflich nicht verwertbares Altpapier als sauberer Brennstoff zur Energiegewinnung in Kraft-Wärme-Kopplung prädestiniert. Zwei Tonnen Altpapier (aschefrei) entsprechen energetisch einer Tonne Steinkohle. Die Energie sollte innerhalb der Papierindustrie für die Produktion als Ersatz für Fremdstrom und fossile Brennstoffe genutzt werden. Mit dieser thermischen Verwertung könnten fossile Brennstoffe geschont und die Umwelt entlastet werden. Die energetische Nutzung überschüssigen Altpapiers sollte auch als Beitrag zur Qualitätssicherung bei steigenden Altpapiermengen, schlechteren Altpapierqualitäten und gleichzeitig immer höheren Ansprüchen an das daraus hergestellte Papier betrachtet werden: Altpapier minderer Qualität kann so in der Papierfabrik aussortiert werden, um es zusammen mit den erhöhten Reststoffmengen aus dem innerbetrieblichen ®Upcycling des Altpapierstoffs zu verbrennen.


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