Karton und Papier getrennt zu sammeln kann Kosten der Altpapiererfassung senken

Papierindustrie will bis 2005 europaweit 10 Millionen Tonnen mehr Altpapier einsetzen — Qualität muss steigen


Pressemitteilung 3/2002

 

Mit der Neuregelung der Verträge für die Entsorgung des Altpapiers der Städte und Gemeinden bietet sich für die Kommunen in diesem Herbst eine einmalige Chance, viel Geld zu sparen: Zurzeit werden Papier und Karton meist gemeinsam gesammelt, und das anschließend nötige Sortieren lassen sich die Vertragspartner des Dualen Systems gut bezahlen. Eine getrennte Sammlung, das ergaben Untersuchungen im Auftrag der Papierindustrie, könnte deutlich billiger sein. Gleichzeitig steigt mit einer getrennten Sammlung auch die Qualität des Rohstoffs Altpapier.

Die Mengen des erfassten Altpapiers sind zwar kontinuierlich gestiegen, doch die Qualität des Rohstoffs sinkt — vor allem unerwünschte Pappen aus Verpackungsmaterialien behindern eine Verwertung für anspruchsvolle Anwendungen. Für Küchentücher, Toilettenpapier und Verpackungspappen wird Altpapier schon in großen Mengen eingesetzt, nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa ist der Recyclinganteil bei diesen Produkten kaum mehr steigerungsfähig. Anders bei grafischen Papieren: Hier werden durchschnittlich erst 23 Prozent (2001) Altpapier eingesetzt. Damit bieten Papiere für Zeitschriften oder Büromaterial viele Möglichkeiten, noch mehr Altpapier zu verwerten.

Zehn Millionen Tonnen Altpapier mehr sollen in Europa bis zum Jahr 2005 recycelt werden. Dieses Ziel haben sich der Verband der Europäischen Papierindustrie (CEPI) und der Europäische Verband des Altpapierhandels (ERPA) gesetzt. In einer "Europäischen Erklärung zur Wiederverwertung von Papier" streben die beiden Verbände eine Recyclingquote von 56 Prozent an.

Doch dazu muss die Qualität des grafischen Altpapiers steigen — Zeitungen und Zeitschriften müssen getrennt von Karton und Verpackungsmaterial gesammelt werden. Auch bei aufwändiger Sortierung bleibt noch zu viel störende Verpackung im Rohstoff. Braune, ungebleichte Fasern lassen sich beim Recycling nicht in weiße Fasern verwandeln — mit jedem Stückchen Karton, das im grafischen Altpapier verbleibt, sinkt die Helligkeit des recycelten Papiers. Selbst wenn man höhere Kosten in Kauf nimmt und mit zusätzlichen Chemikalien versucht, den Weißgrad zu verbessern, gelingt es nicht, den Kartoneinfluss auszugleichen.

Nur sechs Prozent aller Altpapierlieferungen enthalten keine Verpackung, ergab eine Untersuchung des Instituts für Papierfabrikation (IfP) der TU Darmstadt. Das bedeutet, dass die Papierfabriken heute schon um Standard-Zeitungsdruckpapier zu produzieren zusätzliche Reinigungsstufen einbauen müssen. "Neue Prozessschritte benötigen mehr Altpapier und Energie", heißt es in der Untersuchung, "wobei aber auch erhöhte Deinkingreststoffmengen anfallen, die entsorgt werden müssen". Bei höherwertigen grafischen Papieren wie etwa für Zeitschriften, die auch heller als Zeitungsdruckpapier sein sollen, können mit zusätzlicher Bleiche und erweiterten Verfahren lediglich vier Prozent Verpackungsmaterial kompensiert werden. Doch mindestens jede achte vom IfP untersuchte Altpapierlieferung enthielt mehr.

Modellversuche: Getrennte Sammlung spart Kosten

Wie sich das Sammeln von Altpapier optimieren lässt, untersuchte das Dresdener Ingenieurbüro Intecus zusammen mit dem IfP im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Grafische Papiere (AGRAPA). Im Rahmen von Modellversuchen wurde in mehreren Testregionen in Deutschland die Sammlung von gemeinsamer Erfassung auf eine getrennte Erfassung von Papier und Verpackungen umgestellt.

Die Ergebnisse ermutigen: Zwar hängen Sauberkeit und Menge des gesammelten Altpapiers deutlich von der Bebauung ab (in Ein- und Zweifamilienhaussiedlungen wurde fast doppelt so viel grafisches Papier gesammelt wie in Großwohnanlagen), doch schon heute könnten die Kosten für die Städte und Gemeinden bei einer getrennten Sammlung von Papier und Karton um 20 bis 25 Euro pro Tonne niedriger liegen.

Die Altpapierverwertung ist in Deutschland nicht kostendeckend: Die Kommunen bezahlen heute meist feste Preise an die Entsorger, die bis über 110 Euro pro Tonne liegen. In der Regel werden die stark schwankenden Einnahmen aus der Vermarktung des sortierten Altpapiers hierbei nicht berücksichtigt. Eine getrennte Sammlung könnte Sortierkosten vermeiden, in der Folge könnten die Kommunen auch stärker am Vermarktungserlös teilhaben. So ergaben neuere Ausschreibungen Angebote von 40 bis 64 Euro pro Tonne — unter der Voraussetzung der getrennten Sammlung.

Die INGEDE wurde 1989 als Zusammenschluss führender europäischer Papierhersteller gegründet. Ziel der INGEDE ist es, die Verwertung von hellem Altpapier (Zeitungen, Zeitschriften und Büropapiere) zu neuem grafischem Papier und zu Hygienepapieren zu fördern und die Rahmenbedingungen für einen erhöhten Altpapiereinsatz zu verbessern.

8. Oktober 2002

 


Sie können die "Europäische Erklärung zur Wiederverwertung von Papier" (englische Fassung, neu 2011—2015) hier als pdf-Datei abrufen.

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