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Pressemitteilung 1/2006

Altpapier ist Rohstoff:

Getrennte Sammlung
weiterhin nötig

Fischgräten und Marmelade im Papier für Harry Potter?

Altpapier muss weiter getrennt von Abfällen erfasst werden. Die immer neuen Versuche, Papier gemeinsam mit Verpackungen zu sammeln, halten die Altpapierverarbeiter für überflüssig, weil sie die Diskussion regelmäßig in die falsche Richtung lenken. „Wir brauchen saubereres Altpapier, nicht noch mehr Verunreinigungen“, sagt Dr. Ulrich Höke, Vorsitzender der INGEDE. „Mit Glassplittern und Lebensmittelresten verschmutzte Zeitungen sind ungeeignet, um daraus neues weißes Papier herzustellen.“

Die Papierindustrie muss ohnehin mit ständig neuen Beeinträchtigungen der Altpapierqualität kämpfen. Mit derzeit nicht deinkbaren Drucktechniken wie dem Flexodruck produzierte Zeitungen aus England und besonders Italien landen vor allem in Süddeutschland immer wieder bei den Papierfabriken. Wasserlösliche Druckfarben wie Inkjet-Tinten verschlechtern die Helligkeit – gleichzeitig verlangen die Abnehmer immer weißere Papiere und immer mehr Altpapier auch in höherwertigen Papieren, selbst für Bücher. Aber wer möchte schon seinem Kind einen Harry-Potter-Band schenken, für den die Papierfasern zuvor aus einem Gemisch mit Joghurtbechern, Sardinen- und Hundefutterdosen, Safttüten und Marmeladenresten herausgefischt wurden? Auch wenn immer neue Sortiertechniken eine immer bessere Trennung ermöglichen sollen – Verunreinigungen, etwa von Saft oder Milch, und Rückstände bleiben. Um bessere Qualität liefern zu können, sollte Altpapier nicht nur separat von Abfällen gesammelt, sondern wie auch in vielen anderen Ländern möglichst nach weißen (Zeitungen, Zeitschriften) und braunen Sorten (Verpackungen) getrennt werden.

Gemeinsame Erfassung lässt Kosten steigen

Mit der gemeinsamen Erfassung von Papier und Verkaufsverpackungen würden die Kosten nicht sinken, sondern eher steigen – geringen Einsparungen beim Einsammeln stehen hohe Investitionen in komplizierte Anlagen gegenüber. Eine englische Studie zeigte, dass der Aufwand einer Hightech-Anlage zur Trennung von trockenen, recyclebaren Abfällen aus der Mehrkomponentenerfassung mehr als doppelt so hoch ist wie eine einfache mechanische Sortierung der Haushaltspapiersammlung*. Vielfach macht eine gemeinsame Erfassung von Altpapier mit anderen Fraktionen das Papier für ein Recycling schlicht unbrauchbar.

Vermischen und danach wieder trennen – das ist weder ökologisch noch ökonomisch sinnvoll. Nicht einmal die Entsorgungsindustrie, die am Trennen von Abfällen verdient, hält eine Abkehr von der getrennten Erfassung für sinnvoll. In einer „Bonner Erklärung“ sprachen sich Städte und Gemeinden, der Naturschutzbund (NABU), der Verband Deutscher Papierfabriken und die im Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse) zusammengeschlossenen Entsorger gegen eine „Mischtonne“ aus und forderten „intelligente Erfassung statt massiver Verschmutzung“. In der Anfang 2005 veröffentlichten Erklärung heißt es, das Konzept einer Mischtonne sei „nicht an einem nachhaltigen Recycling und hochwertigen Stoffkreislauf orientiert, es fördert vielmehr die Verbrennung oder eine Verwertung außerhalb der Papierindustrie“. Die Unterzeichner sehen sich damit in Übereinstimmung mit dem Umweltbundesamt und widersprechen „nachdrücklich allen Versuchen, das erfolgreiche System der Altpapiererfassung durch Interessen einzelner Entsorger in Frage zu stellen“.

Altpapier ist wichtigster Rohstoff

Europa hat weltweit seine führende Rolle beim Einsammeln von Altpapier und beim Papierrecycling ausgebaut. Mehr als 46 Millionen Tonnen wurden in 2004 verarbeitet, das entspricht einer Recyclingquote von 53,7 Prozent des Papierverbrauchs. Die Sammelquote lag bei 60 Prozent – in Finnland, Deutschland, Irland, den Niederlanden, Norwegen Schweden und in der Schweiz sogar über 70 Prozent. Doch Quantität ist nicht gleich Qualität. Von 6,25 Millionen Tonnen in Deutschland gesammelten Papiers landen rund 5,5 Millionen Tonnen in speziellen Papierbehältern oder Containern. „Noch mehr gemischte Erfassung würde unsere Probleme beim Sortieren und mit Verunreinigungen potenzieren und vor allem die Produktion höherwertiger Papiersorten gefährden“, warnt Höke.

Die INGEDE wurde 1989 als Zusammenschluss führender europäischer Papierhersteller gegründet. Ziel der INGEDE ist es, die Verwertung von hellem Altpapier (Zeitungen, Zeitschriften und Büropapiere) zu neuem grafischem Papier und zu Hygienepapieren zu fördern und die Rahmenbedingungen für einen erhöhten Altpapiereinsatz zu verbessern.

* Quelle: Optimising the Value of Recovered Fibre, WRAP (The Waste & Resources Action Programme) UK, November 2004, www.wrap.org

1. August 2006

Links hierzu:


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