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Pressemitteilung 3/2008

Trockentoner deutlich besser deinkbar als Flüssigtoner

Irreführende Angaben von HP Indigo in Umweltbroschüre

Hewlett-Packard (HP) verteilt auf der Fachmesse drupa eine Broschüre ("Environmental FAQ"), in der behauptet wird, dass Deinkbarkeitsuntersuchungen des von HP Indigo verwendeten Flüssigtoners im Bereich von Trockentonern lägen ("De-inking tests of HP ElectroInk 4.0 results were in the same range as dry toner"). Es gibt jedoch keinerlei Deinkbarkeitsuntersuchungen, die diese Behauptungen belegen könnten.

Im Auftrag der INGEDE haben verschiedene Forschungsinstitute schon seit 2001 Muster verschiedener Digitaldrucke untersucht. Schon die ersten Tests zeigten, dass Tintenstrahldrucke und Flüssigtoner aus unterschiedlichen Gründen Probleme im Deinkingprozess bereiten. Die Druckfarbenentfernung ("Deinking") mittels Flotation ist der wichtigste Prozessschritt beim Papierrecycling in Europa. Trockentoner sind hier unproblematisch; vielfach sind die Deinkbarkeitsergebnisse hier sogar besser als für Offsetdrucke.

In einer älteren Broschüre räumt HP noch Probleme beim Recycling von HP Indigos ElectroInk 4.0 ein; inzwischen, ohne sichtbare Veränderungen der Farbe, behauptet HP, die Deinkbarkeit sei vergleichbar mit der von Trockentoner.

INGEDE kennt keinen Test, der diese Behauptung bestätigen würde. Gleich auf welche Weise Trocken- und Flüssigtoner untersucht wurden – sie unterschieden sich regelmäßig um einen Faktor 100 oder mehr in Bezug auf Schmutzpunkte. Dies ist der relevante Parameter beim Deinken von Tonern.

HP Indigo scheint hier die Ergebnisse einer Prozesssimulation zu misinterpretieren, die INGEDE im vergangenen Jahr initiierte. HP Indigo-Drucke wurden für diese Simulation ausgewählt, gerade weil sie problematisch zu deinken sind – es konnte davon ausgegangen werden, dass selbst bei maximalen Anstrengungen immer noch Schmutzpunkte messbar sein würden. Dies erst erlaubt es, die Effizienz unterschiedlicher Stufen sowie die Genauigkeit der Laborsimulation abzuschätzen. Flüssigtoner ist derzeit eine der hartnäckigsten Quellen für Schmutzpunkte, diese erfordern zusätzlichen Aufwand in der Papierfabrik in Bezug auf Energie, Chemikalien und Faserstoffverluste. Deshalb hinterlassen Flüssigtoner in der Papierfabrik auch einen deutlich größeren "Carbon Footprint" als Trockentoner. Es kann davon ausgegangen werden, dass Trockentoner in einer derartigen Simulation keine messbaren Schmutzpunkte hinterlassen.

Diese Simulation ist keine Testmethode für die Deinkbarkeit, deshalb können deren Resultate keinesfalls mit denen verglichen werden, die nach INGEDE-Methode 11 erzielt werden (eine Methode zur Deinkbarkeitsbewertung). Dies wurde mit HP ausführlich diskutiert, und HP wurde wiederholt darauf hingewiesen, dass die Resultate nicht vergleichbar sind.

Ein kürzlich veröffentlichtes Papier der "Technischen Kommission Deinking", in der Vertreter verschiedener Organisationen der Papierkette zusammenarbeiten, empfiehlt, nicht in Flüssigtoner- oder Inkjettechnologien zu investieren, solange die offenen Fragen zur Deinkbarkeit nicht geklärt sind.

Die Papierindustrie ist offen für alle neuen Entwicklungen auf dem Drucksektor. Papier wird auch auf lange Sicht das wichtigste Transportmedium für Information und Unterhaltung bleiben. Für eine nachhalte Entwicklung, im Interesse des Klimaschutzes und zur Verringerung der Kohlendioxidemissionen müssen alle Aspekte auf dem Lebensweg eines Produkts berücksichtigt werden. Dies erfordert eine verstärkte Zusammenarbeit aller Mitglieder der Papierkette wie mehr Aufmerksamkeit gegenüber den Problemen anderer Beteiligter.

Schon bei der Gestaltung eines Druckproduktes sollte ein Verleger oder eine Werbeagentur das spätere Recycling berücksichtigen. Nur gemeinsame Entwicklungen werden langfristig überleben. Die Papieridustrie lädt alle Beteiligten ein, sich Gedanken zur Verbesserung des Zusammenspiels von Druckfarbe und Papier zu machen – darüber, wie man Farbe auf's Papier bringt genauso wie darüber, wie man sie wieder entfernen kann. Altpapier ist einer der wichtigsten Rohstoffe der Papierindustrie – und Ziel der INGEDE ist es, Altpapier mit ökonomisch wie ökologisch vernünftigem Aufwand rezyklierbar zu erhalten.

Die INGEDE wurde 1989 als Zusammenschluss führender europäischer Papierhersteller gegründet. Ziel der INGEDE ist es, die Verwertung von hellem Altpapier (Zeitungen, Zeitschriften und Büropapiere) zu neuem grafischem Papier und zu Hygienepapieren zu fördern und die Rahmenbedingungen für einen erhöhten Altpapiereinsatz zu verbessern.

4. Juni 2008

Links hierzu:

Diese Pressemitteilung als pdf

"Druckerzeugnisse und Deinkbarkeit" (Technische Kommission Deinking)



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