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Pressemitteilung 1/1995

Altpapierverarbeiter fordern:

Zeitungsbündel wieder auf die Straße stellen!

Zeitungen und Zeitschriften getrennt von Pappe und Verpackung sammeln

Die Qualität des gesammelten Altpapiers wird ständig schlechter. Darauf wiesen Dr. Erwin Krauthauf (Haindl Papier, Schongau) und Bernhard Steinbeis (Steinbeis Temming, Gemmrigheim) auf einer Veranstaltung der Internationalen Forschungsgemeinschaft Deinking-Technik (INGEDE e. V.) in München hin. Die INGEDE ist eine Organisation führender europäischer Papierhersteller. Ursache für die Verschlechterung sei der Trend zu ungeeigneten Sammelsystemen wie der Papiertonne, in der Zeitungen und Zeitschriften gemeinsam mit Karton und oft erheblich verschmutzten Verpackungen gesammelt werden..

Niemand käme heute noch auf die Idee, weiße und braune Glasflaschen in denselben Container zu werfen. Nahezu überall gibt es separate Container für weißes, braunes und grünes Glas. Bei Papier ist das anders: Meistens landen weißes Zeitungspapier und braune Pappe in einem Behälter. Beim Altpapierhändler muss dieses Gemisch am Fließband wieder getrennt werden – keine schöne Arbeit, den ganzen Tag Pappstücke, mit Essensresten verschmierte Verpackungen und jede Menge Müll bis hin zu toten Tieren aus dem Gemisch mit Zeitungen und Zeitschriften herauszuholen.

Denn nur aus sauberem, weißem Altpapier kann wieder neues Zeitungspapier hergestellt werden. Braune, ungebleichte Fasern lassen sich beim Recycling nicht in weiße Fasern verwandeln. Schon wenige Prozente braunen Kartons, so Krauthauf, können eine Fuhre Altpapier für den Zeitungspapierhersteller unbrauchbar machen.

Beim Bürger werden Zeitungen und Zeitschriften oft getrennt vom Verpackungsabfall gestapelt – und dann doch zusammen weggeworfen. Schuld sind meist die Kommunen, die es sich seit der Einführung der Verpackungsverordnung einfach machen: Sie stellen nur die gesammelte Menge, nicht aber die Verwertbarkeit in den Vordergrund. Mit Hinweis auf angeblich zu hohe Kosten haben sie an vielen Orten in Deutschland bewährte Sammelsysteme zerstört.

Nur in wenigen Landkreisen funktioniert die getrennte Sammlung noch: Eine Privatinitiative organisiert im Landkreis Dachau eine Bündelsammlung für Zeitungen und Zeitschriften. Regelmäßig werden die vom Bürger auf die Straße gestellten Bündel von Mitgliedern verschiedenster örtlicher Vereine eingesammelt. Mit jeder Tonne sauberen Papiers füllt sich die Kasse des Vereins – der Landkreis bezahlt unabhängig vom Marktpreis für das Altpapier einen festen Betrag. Und die Bürger sammeln, wenn schon nicht der Umwelt zuliebe, dann doch dem Gesang- oder Schützenverein zuliebe. So funktioniert es auch im Kreis Weilheim-Schongau.

Pro Einwohner werden in diesen Landkreisen so fast 70 Kilogramm Papier pro Jahr erfasst ? viel mehr als mit anderen Sammelsystemen, bei denen oft erhebliche Sortierverluste (und Sortierkosten) anfallen.

Recycling ist sinnvoll und notwendig – sortieren ist überflüssig und teuer. Schon bei der Sammlung muss darauf geachtet werden, dass der wertvolle Rohstoff Papier nicht unbrauchbar wird. Nur so kann erreicht werden, was nicht nur Umweltpolitiker anstreben: dass noch mehr Papier wiederverwertet wird. In Zukunft soll nicht nur Zeitungspapier, sondern auch höherwertiges grafisches Papier (z. B. für Illustrierte) aus Altpapier hergestellt werden. Dazu wird mehr – und vor allem sauberer – Rohstoff Altpapier benötigt.

Die INGEDE fordert:

  • Zeitungen und Zeitschriften müssen getrennt von Pappe und Verpackungen gesammelt werden.

  • Den saubersten Rohstoff liefert die Bündelsammlung, bei der wie früher Zeitungen und Illustrierte abgeholt werden.

  • Sauberes Altpapier liefern auch Depotcontainer – allerdings müssen getrennte Container für weißes und braunes Papier bereitgestellt werden – wie bei Glas.

  • Landkreise und Gemeinden sollten lokale Initiativen oder Vereine unterstützen, anstatt den gesamten Papierabfall per Papiertonne abholen zu lassen. Die Erfahrungen beispielsweise aus den Landkreisen Dachau und Weilheim-Schongau zeigen, dass so zu geringeren Kosten deutlich mehr und deutlich saubereres Papier erfasst wird.

Die INGEDE wurde 1989 als Zusammenschluss führender europäischer Papierhersteller gegründet. Ziel der INGEDE ist es, die Verwertung von hellem Altpapier (Zeitungen, Zeitschriften und Büropapiere) zu neuem grafischem Papier und zu Hygienepapieren zu fördern und die Rahmenbedingungen für einen erhöhten Altpapiereinsatz zu verbessern.

3. März 1995

Mehr dazu in der INGEDE-Dokumentation zum Thema "Getrennte Sammlung".


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